Meinung zu Perplexity SEO/GEO vs. Google
Lesezeit: 3 Minuten
Geschrieben von: Matthias Kampmann

AI Search ist kein SEO-Reset – und Perplexity nicht Google

28.01.2026 — 

Wer sich aktuell durch SEO-Artikel, LinkedIn-Posts und Konferenz-Slides klickt, bekommt schnell den Eindruck, als stünden wir vor dem großen Reset: Google sei praktisch erledigt, Rankings hätten ausgedient und wer heute nicht für Perplexity, ChatGPT, Gemini, Claude oder andere KI-Suchmaschinen optimiere, habe SEO nicht verstanden.

Das klingt modern und es verkauft gut. Es ist aber vor allem eins: übertrieben. Daher schildere ich in diesem Blogartikel in aller Kürze meine kritische Sicht.

Kommentar von Matthias Kampmann zu Perplexity AI Interview

Das Interview mit Perplexity AI, das aktuell viel Aufmerksamkeit bekommt, ist ohne Frage spannend. Es gibt Einblicke darin, wie KI-basierte Suche funktioniert, wie Inhalte verarbeitet werden und warum klassische Suchergebnisse zunehmend von Antworten ersetzt werden. Das Problem ist nicht der Inhalt des Interviews – das Problem ist, was viele daraus machen.

Denn Zukunftsrichtung und Markt-Realität werden hier munter durcheinandergeworfen.

Perplexity zeigt, wohin die Reise geht – Google entscheidet, wer fährt

Das Interview mit Perplexity AI ist interessant, weil es offenlegt, wie moderne KI-Systeme Informationen nutzen: Inhalte werden in kleine Einheiten zerlegt, kontextuell bewertet und je nach Nutzer unterschiedlich ausgespielt. Das ist technologisch beeindruckend und strategisch relevant.

Aber Perplexity ist kein Massenphänomen. Kein Traffic-Treiber. Kein System, das heute darüber entscheidet, ob ein Unternehmen sichtbar ist oder nicht. Diese Macht liegt weiterhin bei Google – und sie wird es absehbar auch bleiben.

Wer so tut, als könne man Google in der SEO-Strategie durch „AI Search“ ersetzen, verwechselt Experimentierfeld mit Marktmacht.

Rankings sind nicht tot – sie sind die Eintrittskarte

Einer der gefährlichsten Kurzschlüsse in der aktuellen Debatte lautet: Wenn KI Antworten gibt, braucht man keine Rankings mehr. Das Gegenteil ist richtig.

KI-Systeme greifen nicht auf „das Internet“ zu, sondern auf vorgefilterte, bewertete Inhalte. Und diese Vorauswahl basiert weiterhin auf genau den Mechanismen, die wir seit Jahren kennen: Indexierung, Relevanz, Autorität, Vertrauen.

Wer bei Google nicht sichtbar ist, taucht auch in AI-Antworten nicht auf. Wer nicht rankt, wird nicht zitiert. Rankings sind nicht das Ziel mehr – aber sie sind nach wie vor die Voraussetzung.

Das eigentliche Problem ist älter als KI

Was das Perplexity-Interview vor allem zeigt, ist etwas, das viele in der SEO-Branche ungern hören: Ein großer Teil der Inhalte war schon immer mittelmäßig. Zu lang, zu schwammig, zu sehr auf Keywords und zu wenig auf Intent und auf echte Fragen optimiert.

KI macht dieses Problem nur sichtbarer.

Ein Text, der keine klare Antwort gibt, keinen Standpunkt hat und keinen echten Mehrwert liefert, ist für ein KI-System schwer verwertbar. Und ehrlich gesagt war er auch für Nutzer selten wirklich hilfreich – die Optimierung für Google durch die Brechstange mit Linkaufbau und Contentoptimierung auf reiner Termebene hat das nur lange Zeit besser kaschiert.

AI Search verlangt kein neues SEO – sondern besseres

Was sich wirklich ändert, ist nicht die Disziplin SEO, sondern der Anspruch an sauberes Handwerk. Inhalte müssen klarer sein, strukturierter, verständlicher. Sie müssen Fragen beantworten, statt sie zu umkreisen. Sie müssen zeigen, warum jemand weiß, wovon er spricht.
Das ist kein „AI-SEO“. Das ist das, was Google seit Jahren fordert – und was viele zu lange ignoriert haben.

Mein Fazit

Perplexity ist kein Gamechanger für SEO. Es ist ein Frühindikator. Ein Spiegel, der zeigt, wie gnadenlos Systeme werden, wenn Inhalte keinen echten Kern haben.

Wer jetzt hektisch anfängt, speziell für KI zu optimieren, rennt der falschen Abkürzung hinterher. Wer stattdessen beginnt, für Google bessere Antworten zu liefern, klare Inhalte entlang dem User-Intent zu bauen und echte Expertise sichtbar zu machen, wird automatisch in AI Overviews, Gemini, ChatGPT, Claude und auch bei Perplexity auftauchen. Nicht, weil er KI austrickst. Sondern weil er endlich gutes SEO macht und sich dadurch auf den Player mit dem immer noch höchsten Potenzial fokussiert: Google.
Und vielleicht ist genau das die unbequeme Wahrheit hinter all dem AI-Hype.